Die Ausgrabungen bei Grundfeld

Frühe Urnenfelderzeit: 1 200 bis 1 000 v. Chr.     

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  [2003]
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Anlass und Ablauf der Ausgrabungen 
Durch den Ausbau der B 173 bzw. den Vorarbeiten für die A 73 wurde ein Teil der seit dem vorletzten Jahrhundert bekannten urnenfelder- zeitlichen Nekropole angeschnitten und in mehreren Abschnitten (1983, 1984 sowie von 2001 bis 2003) im Auftrag des LfD untersucht. Während auf der südlichen Seite der Schnellstraße etwa 80 Gräber angetroffen wurden, entdeckte man bei den acht Monate dauernden Ausgrabungen nördlich der Schnellstraße in den Jahren 2001 bis 2003 unter der Leitung von Markus Ullrich einen weiteren Friedhof der Urnenfelderzeit mit rund 70 Bestattungen. 

Dabei hielten sich Brand- und Körperbestattungen in etwa die Waage. Die frühurnenfelderzeitlichen Gräber waren in den Kies eingetieft und in der Regel aus ortsfremdem Kalkstein errichtet worden. Zwei Gräber ragten bei den Kampagnen von 1983 und 1984 durch ihre besonders reichen Beigaben heraus.

Eine reich ausgestattete Frau 
Auf einem sorgfältig gefügten Boden aus Kalksteinplatten lagen in Grab 2 die Reste eines fast völlig vergangenen Skelettes. Die Bestattung war besonders reich ausgestattet. Neben einem tropfenförmig gebogenen Ohrring aus tordiertem (gedrehten) Goldraht, einem Fingerring aus dünnem Golddraht und einer über der Brust liegenden Bronzenadel fanden sich teilweise noch am Schädel anhaftend zahlreiche Bronzespiralröllchen von etwa 5 cm Länge. Da die Röllchen teilweise noch am Schädelknochen anlagen, konnte der Restaurator E. Voss hieraus ein stirnbandartiges Diadem rekonstruieren, welches aus elf Feldern von jeweils dreizehn übereinander liegenden Spiralröllchen bestand, die offensichtlich auf ein Band aus einem organischen Material aufgenäht waren. Sieben Bronzeringchen hingen von der untersten Reihe auf die Stirn herab.

Ein modischer Kopfschmuck ('Flotte Welle')
Auch die Bestattung 23 lag auf einem Kalksteinplattenboden mit einer Überdeckung aus verrundeten Kalksteinblöcken. In der Nähe größerer Kalksteinplatten hatten sich Skelettteile verhältnismäßig gut erhalten, so auch der Schädel. Dieser lag nach rechts gewendet etwas erhöht auf einer Unterlage aus einer Kalksteinplatte und einer darauf liegenden, mehrere Zentimeter starken Holzkohleschicht, die nach allen Seiten scharf abgegrenzt war und offensichtlich von einem mit Reisig o. ä. gefüllten Kissen stammte. 

Das wellenförmig gebogene Bronzeblechband lag unmittelbar am Schädel an. In die vorderste Wölbung waren Bronzespiralröllchen und Bernsteinperlen hineingerutscht. Sieben bronzene Spiralröllchen von etwa 2 cm Durchmesser hafteten teilweise noch an den Schädelknochen. Am Hinterkopf befanden sich am unteren Ende des Bleches fünf Bernsteinperlen. Um die noch erhaltenen Halswirbel herum lag ein Halsring. Innerhalb dieses Ringes fanden sich zum Teil noch in ihrer ursprünglichen Reihung blaue Glasperlen, Bronzespiralröllchen und Hohlbuckelknöpfe. 


Schräg auf der rechten Brust lag eine Bronzenadel ohne Kopf. Möglicherweise diente hierzu die im Halsbereich gefundene große scheibenförmige  Bernsteinperle mit viereckiger Durchlochung. An den Händen trug die Bestattete je einen bronzenen Spiralfingerring.

 

 

               

Frauengrab 23: Lage der Funde beim Schädel, rechts ein zerdrücktes Gefäß.
Bei der dunklen Substanz beim Halsring dürfte es sich um die Reste von Lederstreifen handeln, auf welcher kleine Bronzeringe und Bernsteinperlen montiert waren.

 

Weitere wichtige Befunde und Funde
Bei den Grabungen von 2001 bis 2003 wurden weitere herausragende Funde geborgen, so eine Männerbestattung mit der Beigabe von Keilerwaffen (Eckzähne eines Ebers) und ein weiteres wellenförmig gebogenes Bronzeblech, welches Bestandteil einer speziellen Frauentracht war. Somit stammen alle drei dieser Bronzebleche aus den Friedhöfen von Grundfeld, zwei weitere ähnliche Funde von Schönbrunn, Lkr. Lichtenfels und Memmelsdorf, Lkr. Bamberg. 

Quellen
(1) Ausgrabungen und Funde in Oberfranken (AuF) 4, 1983-1984, S. 17f und Abb. 21 ff, auf S. 51 ff (Lit. 3)
(2) Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit  (Lit. 1)
(3) Das Archäologische Jahr in Bayern 2001, S. 55 ff.
(4) Zeitungsberichte (u. a. Fränkischer Tag)
(5) Hennig, Hilke, Die Grab- und Hortfunde der Urnenfelderkultur aus Ober- und Mittelfranken (= Lit. 40), Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte, Heft 23, Kallmünz 1970.


 

Ausschnitt aus der Grabungsfläche 1984
Martin Nadler, Eberhard Voss (beide BLfD), Rosemarie Feger

 

 

  
Goldener Fingerring und Ohrring
aus dem Frauengrab 2
Höhe des Ohrringes rechts: 2 cm 
[Lit. 3: AuF 24, 2003/2004, S. 13 Tafel 1]

 

 

Gundfeld 1984: Freilegung von Grab 23
Rosemarie Feger, Martin Nadler, Ebergard Voss (BLfD)

 

 

Freilegen des Bronzebleches als Teil eines Kopfschmucks

 

 

               

          Rekonstruktion der Schmuckausstattung
          Zeichnung: Eberhard Voss, BLfD

 

Bronzenes punzverziertes 'Gürtelblech' aus Grab 13,
gleichfalls Teil eines Kopfschmucks, mit alten Reparaturstellen,
[aus
Lit. 40, Tafel 22, Abb. 7]


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     nach oben              [home]               Fotos (mit Ausnahme der Goldringe): D. Sch.                Dieter Schmudlach (D. Sch.) - 4.07.2003/30.11.2007   .